Hoyschrecke 2018

Hoyschrecke 2018

22. Liederfest HOYSCHRECKE
23.-24.11.2018, Hoyerswerda

Insgesamt 31 Liedermacher und Gruppen hatten sich in diesem Jahr um die „Hoyschrecken“ beworben. Eine Vorjury entschied sich für: Doc Fritz (Jena); George Leitenberger & Band (Genf/Schweiz); Tilman Lucke (Berlin); Turid Müller & Stephan Sieveking (Hamburg); friederike. (Erfurt) und Bastian Wadenpohl (Wuppertal).

Los ging es aber am Freitagabend mit einer gut besuchten offenen Bühne mit 14 Beiträgen, darunter Teilnehmer aus ganz Deutschland. Die Region war vertreten durch die zusätzliche und das Festival bereichernde Aktion der Ostsächsischen Sparkasse Dresden „Grillen im Kopf“ und dessen Gewinner Clemens Zietsche. Über die beliebte Publikumswertung, bei der sich der Sieger als letzter Teilnehmer für den Wettbewerb empfiehlt, gelangen Johanna Moll (Erlangen) und Oh alter Knaben Herrlichkeit (Dresden) in das Rennen um die Hoyschrecken.
Moderiert wurde der Abend von Melvin Haack und Peter Wolter (Hoyschreckengewinner „Schnaps im Silbersee“).

Am Samstag erlebten die Teilnehmer, darunter zahlreiche extra angereiste Studenten eines Germanistikstudienganges, einen intensiven und offenen Workshop mit dem Bremer Michael Zachcial. Mit seiner Band „Die Grenzgänger“ bestritt er anschließend das stark besuchte Auszeit-Konzert am Nachmittag.
Dann am Abend der sehr gut besuchte Wettbewerb, moderiert in professioneller Weise von Petra Schwarz.
Die 8 Teilnehmer kamen u.a. aus Jena, Dresden, Hamburg, Erfurt, Wuppertal sowie aus Genf/Schweiz.
Die Jury überzeugte mit ihren Liedern und großartigen Performance Johanna Moll aus Erlangen. Den Publikumspreis, ebenfalls in Form einer metallenen Hoyschrecke und einer Prämie von 500 Euro nahm der Berliner Liedkabarettist Tilman Lucke für seinen überzeugenden Auftritt entgegen.

Die Sieger des 22.Hoyschrecken-Wettbewerbes waren:

Jurypreis
1.Platz: Johanna Moll (Erlangen)
2. Platz: Tilman Lucke (Berlin)
3. Platz: friedericke. (Erfurt)

Publikumspreis:
1.Platz: Tilman Lucke (Berlin)
2. Platz: Johanna Moll (Erlangen)
3. Platz: Doc Fritz (Jena)

Am Sonntag konnte man sich nach dem Brunch in einer offenen Diskussionsrunde dem „Ausblick 2019“ widmen und am Nachmittag noch ein Kinderliederprogramm mit „Clown Dago“ erleben. Letzteres wurde dankbar von jungen Hoyerswerdaer Familien mit ihren Kindern angenommen.

Eine sehenswerte Sonderausstellung Alles wird besser, nichts wird gut – Musik und Politik um 1990“ über die DDR-Liedszene bereicherten das Treffen.
Beide Abendveranstaltungen wurden vom Internetradio „Fliedertee-Radio“ live übertragen.

Inhaltliche Ergänzungen:

Workshop: „Aus Alt mach Neu“ mit Michael Zachcial (Bremen, Mitglied von Profolk)
Wir entdecken verschollene Liedperlen, üben uns in der Kunst des Song-Up-Cyclings, diskutieren über Selbstverständnisse und Arbeitsbedingungen der Liedermacher heute und im Wandel der Zeit. Von Troubadix bis Bertolt Brecht, von Reinhard Mey bis Gundermann, von Claire Waldoff bis Dota.

CAFÉ-KONZERT mit Die Grenzgänger (Bremen)
Die Gruppe aus Bremen um Michael Zachcial zählt zu den wichtigsten und besten in Deutschland, die sich dem Erbe des politischen Liedes verpflichtet fühlen. Spielerisch bewegen sie sich zwischen Chanson, Swing, Kammermusik, Jazz, Folk und Rock. Das Deutschlandradio zählt sie zu den großen Ausnahmen im Musikgeschäft. Auf einzigartige Weise verbinden sie Episoden unserer Geschichte (Karl Marx, Georg Herwegh) mit politischen Themen, beispielsweise zum Thema Auswandererlieder oder Lieder gegen den Krieg. Im Café-Konzert stellt die Gruppe einen Querschnitt aus 30 Jahren vor. Am Vormittag gestaltet Michael Zachcial einen Workshop zum Thema „Aus Alt mach Neu“. Wir entdecken verschollene Liedperlen, üben uns in der Kunst des Song-Up-Cyclings, diskutieren über Selbstverständnisse und Arbeitsbedingungen der Liedermacher heute und im Wandel der Zeit.
www.die-grenzgänger.de

Ausstellung
„Alles wird besser, nichts wird gut – Musik und Politik um 1990“. Eine sehr informative Ausstellung mit vielen Bildern, freundlicherweise bereitgestellt vom Verein Lied und soziale Bewegungen e.V. Berlin. Im Seminarraum der Kulturfabrik. Öffnungszeiten: Freitag 16.00-20.00 Uhr, Samstag 10.00-20.00 Uhr, Sonntag 10.00-13.00 Uhr.

Wettbewerbsteilnehmer (Samstag)

DOC FRITZ
Er kommt aus Jena, heißt bürgerlich Tim Liebert und ist seit Jahren in der Folk-Szene unterwegs gewesen, z.B. bei „Garlic & Onions“ oder „HüSCH!“. Seit einiger Zeit gibt er Soloauftritte mit eigenen Liedern und begleitet sich mit Waldzither und Mundharmonika. Kürzlich erschien seine erste CD „ÜberLandFahrt“. Der „Folker“ schreibt: „Schlichte, reduzierte, melancholische Songs, mitreißende Rhythmen, bei denen man das Tempo der Eisenbahn erlebt“. Und „Folknews“: „…mit hoher Spielfreude, sanfter Stimme und Augen, aus denen der Schalk blitzt“. Tim ist Hoyschreckenneuling.
www.doc-fritz.de

GEORGE LEITENBERGER & BAND
2010 begeisterte der Liedpoet aus Genf (Schweiz) bereits die Zuhörer bei der „Hoyschrecke“, gehörte aber nicht zu den Preisträgern. Im Juni 2018 interpretierte er beim Projekt „Gundermanns Lieder in Europa“ in der Kulturfabrik Gundi-Lieder in französischer Übersetzung durch ihn selbst. Zur Hoyschrecke 2018 will er mit drei weiteren Musikern anreisen: Roddy McKinnon (Gitarren), Clarissa Mo (Bass) und Klaus Eichberger (Klavier, Akkordeon). Sie „können Geschichten erzählen, weil sie tatsächlich etwas erlebt haben“. Ihre Musik pendelt zwischen Musette, Blues und Brecht/Weill.
www.georgeleitenberger.com

TILMAN LUCKE
Eigentlich ist der Berliner Tilman Lucke Kabarettist, singt aber auch. So hat er denn auch zahlreiche Preise gewonnen, vom „Wertheimer Affe“ (heißt wirklich so!) über die „Silberne Weißwurscht“ bis zur „Belziger Bachstelze“. Bei der Hoyschrecke war er noch nie – die fehlt in seiner Sammlung. Er war Mitglied des „Berliner Brettl“ und der berühmten „Distel“ und gibt auch Kabarettkurse. Seit 2005 ist er auch solo unterwegs mit Programmen wie „Ich bin das Volk“ oder „Verdummungsverbot“. Dass seine Lieder witzig-humorvoll sind, braucht wohl nicht extra hervorgehoben zu werden.
www.tilmanlucke.de

TURID MÜLLER & STEPHAN SIEVEKING
Die beiden Hamburger nennen ihr Politchanson-Programm „Teilzeitrebellin“. Turid singt von der täglichen Grätsche zwischen Ideal und Wirklichkeit und dem ganzen vertrackten Wertechaos, dem niemand entkommt, nicht mal sie selbst. Sie greift in ihren eigenen Liedern Themen auf wie Rechtsruck und Werbefernsehen, Burnout und Demenz, Kapitalismus und Feminismus. Die Diplompsychologin und Schauspielerin wird am Klavier begleitet von Stephan Sieveking, der u.a. bei CATS, König der Löwen, mit Roger Cicero und am Theater des Westens arbeitete. Beide waren noch nie bei der Hoyschrecke.
www.turidmueller.de

FRIEDERIKE TEICHERT
Sie kommt zu uns aus dem thüringischen Wachsenburg in der Nähe von Erfurt. 2013 begann sie während ihres Studiums in Wien Lieder selbst zu schreiben und unter dem Namen „friederike“ aufzutreten. Zurück in Deutschland erschien 2017 ihr erstes Album „Aufstehen und Weitergehen“ und sie etablierte in Erfurt eine kleine Konzertreihe für NachwuchskünstlerInnen. Seither zieht sie mit ihrem „Liedermachersoul“ am Klavier über die Bühnen, auch bei Poetry Slams. Wir freuen uns auf die junge Künstlerin, die zum ersten Mal bei der Hoyschrecke dabei ist.
http://friederike.bandcamp.com/releases

BASTIAN WADENPOHL
Der 33jährige gebürtige Kölner ist in Wuppertal zu Hause und seit sieben Jahren Liedermacher mit sanfter Reibeisenstimme. Nach einigen Jahren unter dem Pseudonym „Tetzlaffs Tiraden“, mit dem er sich der politischen Liedermacherei verschrieben hatte, konnte er 2016 mit Hilfe des Düsseldorfer Retap Verlages seine erste wirkliche Veröffentlichung „Griesgramgrüße aus dem Gartencafé“ unter seinem richtigen Namen herausbringen. 2018 folgte seine zweite CD „Abgrundtiefüberflüssig“. Auch Bastian ist zum ersten Mal in Hoyerswerda.
www.bastian-wadenpohl.de

Moderatoren
PETRA SCHWARZ (Wettbewerbskonzert)
In Erfurt aufgewachsen, studierte sie an der Berliner Humboldt-Uni Kultur- und Musikwissenschaften. Danach arbeitete sie beim Jugendradio DT 64, u.a. mit der Sendung „Songs – Lieder mit Grips“, sowie beim DDR-Fernsehen bei „dramms“ und „SamsTalk“. 1989 erschien ihr Buch „Liederleute“. Nach der Wende war sie Redakteurin, Autorin und vor allem als Moderatorin u.a. in der SFB-Abendschau und beim MDR in „Riverboat“ zu sehen, später auch als Pressesprecherin in der Berliner Senatsverwaltung, Dozentin für Medien-Kommunikation, Leiterin von Fachforen und Unternehmensberaterin. Ehrenamtlich tätig ist sie u.a. bei der „Liederbestenliste“.
www.petraschwarz.de

MELVIN HAACK & PETER WOLTER (Offene Bühne)
Im vorigen Jahr moderierte nur Melvin die offene Bühne, in diesem Jahr ist Peter „Pit“ Wolter wieder mit dabei. Beide gewannen 2013 mit ihrer Gruppe „Schnaps im Silbersee“ die Publikumswertung der Hoyschrecke und moderierten seitdem mit Witz und Können den Freitagabend – ein Mal auch den Wettbewerb. Beide gehören nun schon fast zum Inventar unseres Liederfestes und haben sicher außerhalb der Wertung noch ein extra Lied fürs Publikum übrig.
www.schnapsimsilbersee.de

Wettbewerbs-Jury
Petra Schwarz (siehe oben)
Heike Mildner (Liedermacherin, Hoyschrecken-Gewinnerin 2016)
Elke Förster (ehem. Musiklehrerin, Mitglied von Gundermanns „Brigade Feuerstein“)
Anja Köhler (Potsdam; Sozialpädagogin, für PROFOLK, Verband für Folk, Lied und Weltmusik e.V.)
Johan Meijer (Holland; Musiker, für Gundermanns Seilschaft e.V.)
Michael Zachcial (Bremen; Musiker „Die Grenzgänger“)
Uwe Jordan (Journalist, für Sächsische Zeitung/Hoyerswerdaer Tageblatt)